„Ein neues Klima“ - Rezeptionsgeschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils in Ost- und Mitteleuropa

Drucken PDF

Tagung in Zusammenarbeit mit dem Herausgeberkreis der Zeitschrift
Contemporary Churchhistory (english version) / Kirchliche Zeitgeschichte

 

Ort: Bundesinstitut für die Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg

Zeit: 3. - 4. Dezember 2015

Veranstalter: Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Prof. Dr. Andrea Strübind

 

„Ein neues Klima ist im Kommen und ein Klima ist eben nicht aufzuhalten!“ fasste Bolesław Kominek, Titular-Erzbischof  von Breslau/Wrocław, im Dezember 1965 die Ergebnisse des gerade zu Ende gegangenen Zweiten Vatikanischen Konzils für die Kirchen in Mittel- und Osteuropa zusammen. Die Tagung im Rahmen des 50jährigen Jubiläums fragt nach den Wirkungen und der Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils, das wie kein anderes Ereignis für die bewusste Zukunftsorientierung und Öffnung zur Moderne steht, für die Kirchen in den sich politisch wandelnden Gesellschaften in Ost- und Mitteleuropa. Die dogmatischen und kirchenorganisatorischen Konzilsentscheidungen hatten nachhaltige Konsequenzen für die Verhältnisbestimmung der katholischen Kirche zu den kommunistischen Staaten und deren Regierungen. Die Relevanz der Muttersprache (Ersetzung der lateinischen Messe), der Nation, der Ortskirchen und der dezentralen Kirchenstrukturen (Bischofskonferenzen) führten zu einem neuen Selbstbewusstsein der Kirchen und einer Neupositionierung gegenüber den jeweiligen Gesellschaften. Das Zweite Vatikanische Konzil hat zur Intensivierung des kirchlichen Lebens in den  Ländern Ost- und Mitteleuropas beigetragen, das die Transformationsprozesse der 90er Jahre vorbereitete.

Die Beiträge ordnen sich drei Themenfeldern zu, die an konkrete Weichenstellungen in wichtigen Konzilsdekreten anknüpfen. Das Zweite Vatikanische Konzil verabschiedete am 21. November 1964 mit dem Ökumenismusdekret „Unitatis redintegratio" eine Grundlage bzw. ein Leitbild für den Umgang mit den getrennten Kirchen und der Ökumenischen Bewegung, die wegweisend für die kommenden zwischenkirchlichen Dialoge wurde. Das Ökumenismusdekret gilt geradezu als „kopernikanische Wende“ in den zwischenkirchlichen Beziehungen. Die Vorträge dieses Panels thematisieren den Wandel in den Beziehungen zur Orthodoxen Kirche bzw. zu den protestantischen Minderheitskirchen, aber auch die Entstehung einer spezifischen Ostpolitik des Vatikans wird in den Blick genommen. Einen wichtigen Impuls zur Aufnahme interreligiöser Dialoge war die Konzilserklärung „Nostra aetate“, die in vielen Länder Osteuropas zu einer Neubestimmung des Verhältnisses der katholischen Kirche zum Judentum Anlass bot. Die Liturgiereform (u.a. Einführung der Messe in der Volkssprache) hatte Auswirkungen auf die Gestaltung von Kirchenräumen, wie sich an der Errichtung von „Volksaltären“ oder am Umbau vormals protestantischer Kirchen zeigen lässt.

 

 

Das Zweite Vatikanische Konzil und die Ă–kumene

 

Johanna Rahner (Tübingen), Das zweite Vatikanische Konzil – zur Einführung

Mihai Grigore (Mainz), Die Rezeption des Ökumenismus-Dekrets und die Kirchen Rumäniens

Joanna Koleff-Pracka (Warschau), Die Wirkungen des Zweiten Vatikanischen Konzils auf das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und den protestantischen Minderheitskirchen in Polen

Katarzyna Stokłosa (Sønderborg / Flensburg),  Zweites Vatikanisches Konzil und das deutsch-polnische Verhältnis (Zusage)

Karolina Wigura (Warschau), Vatikanische Ostpolitik (1958-1978) nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil

Franziska Metzger (Fribourg / Schweiz), Die Rezeption des Konzils im Schweizer Katholizismus

Gerhard Besier (Dresden), Die Auswirkung des Ă–kumenismusdekrets auf die kirchlichen Beziehungen in Deutschland (Zusage)

 

 

Die Konzilserklärung „Nostra aetate“ und der jüdisch-christliche Dialog

 

Stanislaw Krajewski (Warschau), Die Rezeption von „Nostra aetate“ und die jüdisch-christlichen Beziehungen in Polen (Zusage)

József Szécsi (Budapest), Der jüdisch-christliche Dialog in Ungarn nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil

Hans Hermann Henrix (Aachen), Die Bedeutung der Konzilserklärung für die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem Judentum in Osteuropa

 

 

Die Auswirkungen der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils

 

Tobias Weger (Oldenburg), Volksaltäre und Kirchenbau in Deutschland – an Beispielen des norddeutschen Katholizismus (Zusage)

N.N., Liturgiereform, Kirchenumbau und -neubau in Polen ab 1965 und die Reaktionen darauf

N.N., Die deutschsprachige Minderheit in Polen zwischen Zweitem Vaticanum, „Millenium der Taufe Polens“ und sozialistischer Realität.

 

 

Neue Ausgabe 12/2014

Drucken PDF

Band 27 (Dezember 2014)

kize.2014.27.issue-2.cover

 

Die Zeitschrift

Drucken PDF
Die Zeitschrift erforscht kirchengeschichtliche Themen dieses Jahrhunderts ĂĽber Konfessionen, Grenzen und Ideologien hinweg. Der Herausgeberkreis, Kirchenhistoriker aus West-, Nord-, Mittel- und Osteuropa sowie aus Nordamerika, sieht die Aufgabe kirchlicher Zeitgeschichte darin, die jĂĽngste Vergangenheit multiperspektivisch darzustellen, um so zu begrĂĽndeten Urteilen vorzudringen.