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Publikationen aus dem Mitarbeiterkreis

Zusammenfassung:

Gerhard Besier, Armin Boyens, Gerhard Lindemann:¬†"Nationaler Protestantismus und √Ėkumenische Bewegung - Kirchliches Handeln im Kalten Krieg (1945 - 1990)"Mit einer Nachschrift von Horst-Klaus HofmannTab., Abb.; VI, 1074 S. , Geb. DM 86,- / √∂S 628,- / sFr 78,-ISBN 3-428-10032-8 . ISSN 1438-2326

Die Zeit zwischen 1945 und 1989 ist bestimmt durch verschiedene Phasen des "Kalten Krieges". Der Ost-West-Konflikt nahm Einfluss auf alle gesellschaftlichen Subkulturen, auch auf die Kirchen. Andererseits bem√ľhten sich die christlichen Kirchen in dem genannten Zeitraum um eine st√§rkere Einigung der Christenheit √ľber die nationalen Grenzen und den "Eisernen Vorhang" hinweg. Die beiden einflussreichsten internationalen Kirchenorganisationen waren der √Ėkumenische Rat der Kirchen in Genf (√ĖRK) und die Prager Christliche Friedenskonferenz (CFK). Der √ĖRK w√§re ohne das √∂kumenische und finanzielle Engagement des liberalen National Council of the Churches of Christ in Amerika (NCC) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nicht denkbar gewesen. Die Prager Christliche Friedenskonferenz wurde von der Sowjetunion und weiteren Ostblockstaaten finanziell unterst√ľtzt und ideologisch beeinflusst. Das Buch beschreibt den allm√§hlichen Wandel der Kr√§fteverh√§ltnisse in der √∂kumenischen Bewegung. W√§hren die USA aufgrund ihrer wirtschaftlichen und ethischen √úberlegenheit dem √ĖRK in den 50er Jahren politisch n√§her standen (z. B. im Korea-Krieg), konnte in den 60er Jahren die UdSSR mit Hilfe der Russisch-Orthodoxen Kirche und der Christlichen Friedenskonferenz das Blatt nach und nach zu ihren Gunsten wenden. Dazu trugen ma√ügeblich auch die Kirchen in der Dritten Welt bei, die in der westlichen Vormacht das imperialistische Unterdr√ľckungssystem par Excellence sahen und den westlichen Werten einer demokratischen Gesellschaft vor dem Hintergrund von Hunger, rassischer und sozialer Benachteiligung durchaus keinen h√∂heren Stellenwert zubilligten als den "realsozialistischen" Staaten des Ostblocks. Der Vorwurf an die USA und andere westliche Industriestaaten ging dahin, dass sie ihre hehren Ideale nicht einl√∂sten, sondern die √§rmeren V√∂lker ausbeuteten. Es gelang den Vereinigten Staaten immer weniger, ihren Lebensstil als genuin christlich und in diesem Sinne vorbildlich herauszustellen. Mit dem Vietnam-Krieg verloren die USA vollends ihren ethischen F√ľhrungsanspruch. Umgekehrt n√§herten sich die √∂kumenischen Str√∂mungen auf nationaler und internationaler Ebene immer mehr den √∂konomischen und menschenrechtlichen Forderungen der "realsozialistischen" Staaten an. Teile der westlichen Kirche bildeten so eine Art innere Widerstandsfront gegen den westlich-"kapitalistischen" Lebensstil in ihrem eigenen Land. Diese innen- wie au√üenpolitische Dynamik bildete im Raum der nationalen Kirchenr√§te wie der √∂kumenischen Organisationen einen Brennpunkt der Auseinandersetzungen. Im Zusammenhang mit dem sogenannten "Antirassismusprogramm" des √Ėkumenischen Rates der Kirchen prallten auch "konservative" und "progressive" Kr√§fte innerhalb der einzelnen Kirchen aufeinander; die Konflikte drohten in Kirchenspaltungen zu enden und f√ľhrten, besonders in den USA, zu dramatischen Mitgliederverlusten in den liberalen "Mainline"-Kirchen. Nicht der Afghanistan-Krieg, sondern erst der √∂konomische und politische Zusammenbruch des Ostblocks f√ľhrte zu einer Entzauberung des "Communistic Gospel" und leitete eine schwere Krise des √Ėkumenischen Rates der Kirchen ein, die 1998 bei der √ĖRK-Vollversammlung in Harare ihren vorl√§ufigen H√∂hepunkt erreichte. [English version] Stimmen zum Buch Das Buch hat ein europ√§isches Echo gefunden. Rezensionen aus der Schweiz, den Niederlanden, Gro√übritannien, Spanien und D√§nemark kommen zu den deutschen, die nat√ľrlich den gr√∂√üten Teil ausmachen, hinzu. Typisch f√ľr das deutsche Echo ist seine starke Polarisierung. Gerade das macht die Lekt√ľre deutscher Stimmen zum Buch spannend. In einem Punkte sind sich alle Rezensenten einig: - Das Buch behandelt "ein gro√ües und interessantes Thema" (ThLZ. Okt. 2000). Niemand bestreitet, da√ü es notwendig war, das Handeln des √Ėkumenischen Rates der Kirchen im Kalten Krieg zu untersuchen. Zum √Ąu√üeren merken die Kritiker an: "Eine F√ľlle von Fakten und Zitaten", auf die "sich sp√§tere Historiker sicher dankbar beziehen"(H. Kalinna in KZG1/2000); "eine ungeheure Flei√üarbeit" (Bayernkurier). "Die Darstellung ist sehr materialreich und ausgesprochen informativ. ... anregend und bisweilen sogar spannend" (Deutsches Pfarrerblatt 4/2000); "sie bietet ein breites Panorama der Geschichte des √ĖRK" ( FAZ, die das Buch sogar zweimal, im Februar und im August 2000 besprechen l√§√üt). "Die Autoren haben die Fakten √§u√üerst gewissenhaft recherchiert" ( Rheinischer Merkur); "A work of scholarship" (W.R. Ward/Journal of Ecclesiastical History); "eine beeindruckend gro√üe Zahl von Quellen" (ThLZ). "Ein monumentales Werk"...."Minuti√∂s unter Anf√ľhrung beeindruckender Quellen-und Dokumentenmengen (aus staatlichen und kirchlichen Archiven in Ost und West sowie in Genf) wird dargestellt, auf welchen Wegen und wie effektiv bzw.auch uneffektiv die √∂stlichen Geheimdienste √ľber >ihre< Kirchenvertreter in die √∂kumenischen Gremien hineinwirkten" (G2W). Dem Einwand, Umfang und Materialf√ľlle des Buches k√∂nne vom Lesen abschrecken, begegnet Volker Nollau mit dem Hinweis, "es lohnt sich f√ľr alle,. . .sich f√ľr dieses Buch Zeit zunehmen", denn "es erm√∂glicht es nun wenigstens im Nachhinein kirchliches Handeln im Weltma√üstab sehr viel besser zu verstehen" ( Der Sonntag. Wochenzeitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens). Mehrere Besprechungen schreiben von einer "spannenden" oder "fesselnden Lekt√ľre" (Rheinischer Merkur). "Hier liegt ein Werk vor,das in seiner Spannung einem Agententhriller in nichts nachsteht" (A. Petersen/Z√ľrich in der schweizer Zeitschrift "B√ľrger und Christ"). R√ľdiger Durth stellt fest: "Dieses Buch ist nicht nach der Methode der Schwarz-Wei√ü-Malerei geschrieben. Vielmehr gew√§hrt es einen spannenden Einblick in das Ringen der Kirchen um Abstand und N√§he zu den konkreten politischen Systemen und schildert, wie sie sich - teils ohne ihr Wissen - zu Handlangern einer Ideologie machen lie√üen. So gesehen ist der Band auch eine deutliche Warnung an die Kirchen, sich von entsprechenden Versuchungen fernzuhalten" (Generalanzeiger/Bonn). Damit ist der Bereich der Wertungen betreten. "Der Sammelband gibt Anla√ü zum kritischen R√ľckblick" (FAZ). Der Historiker H. Lehmann, Direktor des Max- Plank-Instituts f√ľr Geschichte an der Universit√§t G√∂ttingen, nennt das Buch " ein(en)Meilenstein in der Forschung √ľber den √Ėkumenischen Rat der Kirchen im Zeitalter des Kalten Kriegs", dessen "Ergebnisse noch auf Jahre hinaus die Diskussion √ľber dieses Thema bestimmen (werden)". Er bescheinigt den Autoren "gro√üe Detailkenntnis" und bezeichnet ihr Werk als "eine informations-ges√§ttigte Ereignisgeschichte", d.h."alle drei Autoren orientieren ihre Ausf√ľhrungen zun√§chst und vor allem am Ablauf der Ereignisse, und das hei√üt ferner, da√ü sie sehr bem√ľht sind, in ihrer Darstellung m√∂glichst viele Informationen und Details zu pr√§sentieren. Diese Art der Geschichtsschreibung l√§sst sich als ein ebenso traditionelles wie solides Vorgehen bezeichnen" (ThLZ). Zur Auseinandersetzung um das Werk: Es wird "sein Mut" gelobt, "unangenehmen Wahrheiten ins Auge zu blicken" (Rhein.Merkur). Es "durchkreuzt... die Schweigetaktik", mit der ein "massiver Richtungseinflu√ü der damals von ihren Heimatstaaten gelenkten Kirchen und der Sowjetunion" auf den √Ėkumenischen Rat der Kirchen in Genf vergessen gemacht werden soll (Focus). √Ąhnlich der Rheinische Merkur, der bemerkt: "Da√ü die Forschungen dieses Triumvirats (Besier, Boyens, Lindemann) nicht √ľberall auf Gegenliebe gesto√üen sind, versteht sich angesichts der politischen Bedeutung des Themas von selbst. Mi√üfallen bekundeten von Anfang an vor allem jene kirchlichen Repr√§sentanten, die heute die Frage beantworten m√ľssen, weshalb sie jahrelang zu Menschenrechtsverletzungen in kommunistisch beherrschten L√§ndern schwiegen, daf√ľr jedoch um so lauter die Politik der USA und ihrer Nato-Verb√ľndeten als unmoralisch kritisierten". F√ľr die weitere Diskussion empfiehlt Hartmut Lehmann/G√∂ttingen: "Diejenigen, die das Gef√ľhl haben, ihre Rolle in der √Ėkumenischen Bewegung der vergangenen Jahrzehnte w√ľrde im vorliegenden Werk einseitig oder falsch dargestellt, sind vielmehr aufgerufen, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Freilich sollten sie sich nicht nur auf ihre Erinnerung berufen, sondern sich mit den f√ľr die Forschung zug√§nglichen Quellen auseinandersetzen" (ThLZ). Rezension in: Actualidad bibliogr√°fica enero-junio 2001: "Es handelt sich um eine sehr ausf√ľhrliche und wohldokumentierte Darstellung, in der die vielen Themen behandelt werden, die das Leben der Kirchen in dieser schwierigen Zeit bestimmten und entscheidend auf die √∂kumenische Bewegung einwirkten: politische, religi√∂se, soziale Themen, Themen die Freiheit und Menschenrechte betreffend, es werden auch die Theologen vorgestellt, die den gr√∂√üten Einflu√ü aus√ľbten. Der Leser eignet sich ein ausf√ľhrliches Wissen dar√ľber an, wie die √∂kumenische Bewegung in dieser Zeit gewesen ist. Eine weitere Leistung des Werkes besteht darin, da√ü √ľber das, was die Autoren f√ľr Fehler oder Nachgiebigkeiten der √∂kumenischen Bewegung halten, nicht schweigend hinweggegangen wird." (J. Boada)